Hintergrund & Recherche

Nazistimmen zum Aufmarsch – Heulen auf hohem Niveau oder Scheitern als Erfolg…

Ich weise darauf hin, dass durch Blockaden von Gegendemonstranten die Strecke bereits jetzt erheblich eingekürzt ist. Ich bitte die Kameraden also im Interesse aller darum, die Vermummung umgehend abzulegen, damit wir, der Rest, der uns so noch verbleibt, wenigstens ablaufen kann.
Lautsprecherdurchsage bei Auftaktkundgebung
– Erste Stein-, Flaschen- und Böllerwürfe aus den Gegendemonstranten auf Höhe Stadtpark
– Demonstration läuft kämpferisch aber größtenteils ruhig [sic]
– Während Zwischenkundgebung stürmen plötzlich mehrere hundert Gegendemonstranten aus Straße, Polizei kann gerade so abriegeln
– Rückmarsch wie vorgesehen über die große Hauptstraße [zwischen Bahnanlagen und leerstehenden Häusern…, AGH]
– kurz vor Erreichen des Endes wieder Übergriffe durch Gegendemonstranten, Polizei schaut größtenteils nur zu
– Situation eskaliert durch nicht endende Stein- und Flaschenwürfe der Gegenseite als auch durch Polizeigewalt
Anmelder Maik Müller im thiazi-Forum
Dann durch verlassene Ruinenstraßen, was mich etwas enttäuschte. Kurz vor dem Hbf flogen dann die ersten Flaschen, Steine und Böller…ein Kamerad aus unserer Reisegruppe wurde am Kopf getroffen. Wahrlose Festnahmen, Knüppelschläge gegen am Boden liegende Kameradinnen und Kameraden…Pfeffersprayeinsätze usw. und die Antifanten konnten unbehelligt weiter machen.
Und dann muss ich mich einem meiner Vorredner anschließen ! Blutene Kameraden/inen und man schreit uns an von wegen kämpferisch, aber friedlich ???? Ich bitte euch, was soll der Scheiß ????!!!!
Nazi im thiazi-Forum
Wären der Zwischenkundgebung sah man am Ende der Straße einen großen Mob an Feinden nahen. Ich dachte mir; Alles klar, dass knallt jetzt ordentlich, dass kann böse enden. Die Polizei hielt den Mob auf, möchte aber gerne wissen, mit welcher Anstrengung? Das sah schon heikel aus! Dann sollte es auch gleich wieder zurück zum Hbf gehen… Quer durch ein, bitte verzeiht wenn dies nicht so ist, aber mir kam es so vor, Ghetto. Die Polizei wurde nervöser. Am Ende der Straße abgebogen, sah man ebenfalls wieder am anderen Ende, einen kleineren Mob Antifas nahen. Diese wurden ebenfalls gestoppt. Wir nährten uns dann dem Hbf und dann ging es auch schon los… Antifa war in größerer Zahl anwesend und griffen an. Die ersten Steine, Flaschen und Böller folgen. Einzelne Antifas nährten sich uns, lass es eine Armlänge gewesen sein.
Nazi im thiazi-Forum
Die Antifa hat das Ziel unsere Aufzüge mit allen Mitteln zu be- und verhindern! Wie es sich hier liest ist es der AFA scheinbar durch massive Gewaltanwendung gelungen den Demonstrationszug zu stoppen und zum Umkehren zu zwingen. Also voller Erfolg für das rote Pack!
Politik ist kein Wald und Wiesen Match, du kannst nicht davon ausgehen das der Gegner sich fair verhält, selbiges haben die auch nicht von uns zu erwarten! Also , die AFA hat ihr Ziel erreicht, folglich ist es in diesem Fall legitim das sie sich als “Sieger” fühlen!
Nazi im thiazi-Forum
Nach der ersten Kurve ging dann das Gegröle am Strassenrand von Linken und Gutmenschen los, was auf der ganzen Route sich auch nicht unterbinden lassen sollte. […] Nach den Reden ging es dann weiter Richtung Ausgangspunkt der Demonstration, an dieser Stelle sei noch gesagt das wie immer wieder von Linksfaschisten mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörper beschmissen wurden. […] In der Nähe des Hauptbahnhofes angekommen wurden des dann einwenig Chaotisch, es ging immer nur vor und zurück und keiner hatte mehr so richtig den durchblick.[…]
Wurden wir auf Gewalt oder Krawall aus gewesen hätten wir mehr als nur einmal die Chance gehabt um einfach raus zu spazieren [lol…], aber wir wollten ja friedlich unseren Protest auf die Strasse Tragen und das haben wir auch getan, trotz aller dem das wir von Linken mit Flaschen und Steinen beworfen und von vorn bis hinten beschimpft wurden. Alles in allen ein Erfolgreicher [sic] Arbeiterkampftag. [sic]
Nazi im thiazi-Forum

Was schrieben wir am 17. Juni 2009?
“Um so etwas als Erfolg zu werten, muss man entweder dumm sein oder Nazi – oder beides.”

Zur Nazidemo und den Strukturen dahinter

Demo…

Schon lange nutzen Neonazis den 1. Mai für ihre Auftritte. Spätestens seit er im Jahr 1933 offiziell zum “Tag der deutschen Arbeit” erklärt wurde, können Nazis ihn problemlos in ihre Argumentation einbinden, die auf der antisemitischen Trennung von “raffendem und schaffendem Kapital” aufbaut und das verpflichtende “Recht” auf Arbeit mit der “Gesundheit” des “deutschen Volkskörpers” verknüpft.
In diesem Jahr wollen nun Enrico Marx (Sotterhausen) und Maik Müller (Dresden) mit hunderten ihrer “Kameraden” für das Recht echter Deutscher auf Arbeit und gegen die “Fremdarbeiterinvasion” demonstrieren. Zum Aufmarsch mobilisieren mittlerweile nicht nur “Freie Kräfte” in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, sondern auch kleinere “Kameradschaften” in den alten Bundesländern sowie Berliner und Hamburger Strukturen. Zu diesem Zweck haben die Organisatoren die seit Jahren auch aufgrund diverser interner Probleme brachliegende “Antikap”-Kampagne wieder aufleben lassen.
Dass der nach Halle mobilisierende “Nationale Widerstand” Berlins gerade erst einen von ihnen kurzerhand zum “Ausländer” erklärten NPD-Aktivisten zu Hause aufsuchte und mit Knüppeln bedrohte, oder die Schlägerei zwischen der “Freien” Krabbelgruppe und NPD-Leuten in Halle werden der Beteiligung zumindest aus regionalen Kreisen der NPD/JN zudem sicherlich keinen Abbruch tun – Marx und seine Freundin Judith Rothe sind das beste Beispiel für die Übernahme der NPD/JN in der Region durch streng nationalsozialistische, gewalttätige Kameradschaftsstrukturen der “Freien Kräfte”. So ist damit zu rechnen, dass zur einzigen zentralen Demonstration im Osten hunderte Nazis anreisen werden.

…organisatoren

Enrico Marx sammelt seit den 90’er Jahren Neonazis (FK Ostara Skinheads u.a.) um sich. In Sotterhausen (LK Mansfeld-Südharz) hat er ein Gehöft erworben, auf dem er mit seiner Frau (NPD-Aktivistin und -Kandidatin Judith Rothe), Kindern sowie weiteren Nazis lebt. Der Hof dient als regionales Neonazi-Zentrum, während des Wahlkampfes waren dort auch zahlreiche NPD-Wahlkampfhelfer untergebracht. Zudem finden dort regelmäßig Kameradschaftsabende, Schulungen und Mobilisierungsveranstaltungen statt. Nach den gescheiterten Versuchen als Musikproduzent und Internethändler („Barbarossa“) Fuß zu fassen, sieht man Marx in letzter Zeit häufig auch als Würstchenverkäufer auf Nazidemos. Zum Umfeld von Enrico Marx gehört auch Florian Jass, der im “White Skull” in Halle als Tätowierer tätig ist.
Maik Müller ist die treibende Kraft hinter dem „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“ aus Dresden, welches jedes Jahr am 13. Februar zu den Aufmärschen der „Freien Kräfte“ aufruft. Seit Jahren bestehen kameradschaftliche Verbindungen zur Magdeburger „Initiative gegen das Vergessen“ um Andy Knape (JN-Landesvorsitzender) und Andreas Biere. Als Redner auf zahlreichen Nazidemos und Sommer-Open-Airs stellt Müller sich mit seinem von starkem Narzißmus getriebenen unermüdlichen Engagement gern als Vorbild für die „deutsche Jugend“ dar. Als „Max Braun“ schreibt er regelmäßig in diversen Neonazi-Foren seine Einschätzungen zu Veranstaltungen und Konflikten in der Szene.
Die lokale hallesche Naziszene ist in die Organisation kaum eingebunden. Zu ihr aber ein paar Bemerkungen, um auch den Grund dafür deutlich zu machen.

Freie Kräfte Halle/Saale

Hervorgegangen aus der Kameradschaft „Nationale Sozialisten Halle/Merseburg“, kurzzeitig identisch mit der JN Halle, dann nach Streit, Intrigen, dem Mobbing des wohlbeleibten Kameraden Rolf und antifaschistischen Aktionen zerfallen, gipfelte die Selbstzerfleischung in einer Schlägerei zwischen “Freien” um Marcel Scorn (Querfurt) und JN’lern um Erik Schulze. Nun tauchen die Freien Kräfte in Halle in Form einer Webpräsenz wieder auf, auf der für den Aufmarsch geworben wird und Ernährungstips gegeben werden. Momentaner Status: Bedeutungslos.

NPD Halle

Organisatorisch wird der Kreisverband Halle in den letzten Monaten vor allem von Rolf Dietrich und Maik Schowien betreut. Auch der nicht gerade für sein übermäßiges Engagement bekannte Student und NPD-Stadtrat Erik Schulze meldete sich im Anschluss an die Landtagswahl wieder zu Wort und hofft nun, dass sich das hallesche NPD-Zweitstimmenergebnis von 3,2 % bis zur nächsten Kommunalwahl noch steigert und er dann nicht mehr allein im Stadtrat ausharren muss. Mit den „Jungen Nationaldemokraten“, deren Bundesschatzmeister er mehrere Jahre war, hat sich Schulze überworfen, nachdem Michael Schäfer und Philipp Valenta (beide JN-Bundesführung) die von ihnen zu verantwortenden finanziellen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem JN-Versand „Frontdienst“ nicht erklären wollten. Obwohl versucht wird, zu den regelmäßigen Sitzungen vor allem junge Neonazis aus dem Saalekreis einzubinden, ist die Außenwirkung der NPD Halle derzeit gleich Null. Apropos Null: Ruhig geworden ist es um den JN-ler und “HLB Germania”-Burschenschafter Torsten Görke, der sich über Jahre immer wieder in den Vordergrund drängte, aber seit einigen Monaten nur noch selten zu sehen ist. (Die in der Vergangenheit unter dringendstem VS-Verdacht stehenden Sven Liebig und Matthias Bady lassen grüßen…)

Die Mobilisierung zum Aufmarsch

Zuerst machten die Nazis in einigen Käffern in Sachsen und irgendwo in Dresden ein paar lächerliche Mobiaktionen. Wie zuvor in Südwestdeutschland für Heilbronn gab es nun zur Bewerbung des Aufmarsches in Halle eine kleine Spontankundgebung in Radeberg und in fünf anderen sächsischen Orten ein paar Flugblattverteilaktionen, zudem wurden glorreich diverse Laternen mit Aufklebern beklebt. Offensichtlich wollen die sächsischen Nazis um Maik Müller ihren südwestdeutschen Kameraden im Aktionismus in nichts nachstehen – sie wollen innerhalb der Szene klarmachen, dass Halle und Heilbronn als die zwei zentralen Großaufmärsche der Szene am Ersten Mai ebenbürtig sind. Und auch die Kameraden vom NW Berlin helfen mit. Mit Flyer-Aktionen vor S-Bahnhöfen und Schulen in Berlin und ein paar Schmierereien wollen sie auf Halle und die antikap-Mobiseite aufmerksam machen, was aber wie alle anderen Aktionen auch eher als PR in die Szene hinein gedacht ist.
In Halle zerkratzten ein paar unterbelichtete Wänster ein paar Plakate an den Ecken, und vier Jungnazis klebten nacht um 3 Uhr mit schlotternden Knien hässliche Kopien im Paulusviertel. Dumm nur, mit Hasskappe rumzulaufen wie ein Pseudogangster, und dann nicht zu merken, dass man beobachtet wird, wenn man die Vermummung wieder abnimmt…
Auch der Kreis um Marx legte nach – mit einer glorreichen Fahrt mit einem transparentbehängten Pick Up durch das flache Land in Sachsen-Anhalt. Auf der Antikap-Seite sollte aber ein und das selbe Bild als Beweis für glorreiche Propagandafahrten sowohl in Sangerhausen, als auch in Querfurt herhalten. Offensichtlich ist das Nazifußvolk noch blöder, als man denkt:

Screenshot der Nazi-Mobiseite

Gesicht zeigen!

Enrico Marx, Sotterhausen

Maik Müller, DD

Andy Knape, MD

Andreas Biere, MD

Michael Schäfer

Maik Schowien, Halle

Florian Jass, Halle

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